Vereinsgeschichte

Der Märkische Ruderverein ist einer der ältesten Rudervereine Berlins. Er wurde 1901 vom Schriftsteller und Redakteur Richard Nordhausen gegründet, um den (Wander-)Rudersport durch günstige Konditionen breiten Teilen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Mit Erfolg: 1906 hatte der Verein 754 Mitglieder und 72 Boote, zeitweise gab es mehrere Bootshäuser, z.B. am Baumschulenweg, in Königs Wusterhausen, auf Pichelswerder und in Werder. Neben dem eigentlichen Verein wurden die Vereine „Jung Frithjof“ und „Frigga“ als Jugend- und Damenabteilung gegründet.

Der zweite Weltkrieg raubte dem Märkischen Ruderverein allerdings jeglichen Besitz. Alle Bootshäuser bis auf das in Königs Wusterhausen wurden zerstört, letzteres nach dem Krieg enteignet. Nur dem Umstand, dass einige ehemalige Mitglieder das Wassergrundstück auf Pichelswerder nach dem Krieg aufräumten und auf eigene Rechnung pachteten, ist es zu verdanken, dass dem Verein nach seiner Wiedergründung 1952 ein Grundstück zur Verfügung stand.

1955 konnte Richtfest für das zunächst einstöckige Bootshaus auf Pichelswerder gefeiert werden, das 1985 augestockt wurde und so bis heute fortbesteht. 1977 kam es zudem noch zur Fusion mit dem befreundeten Ruderclub Kirschner (RCK), der sein altes Domizil aufgeben musste. Heute hat der Märkische Ruderverein um die 150 Mitglieder.


Auszüge aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Vereins

Ausführliche Beschreibung der Geschichte des Vereins:

Zum Märkischen Ruderverein gehörende Vereine:


Die Gründungsidee entsteht

An einem sonnigen Apriltag des Jahres 1901 war es, als der Schriftsteller, Redakteur und Dichter Richard Nordhausen mit zwei weiteren Kameraden in seinem gedeckten Doppelzweier „Deutscher Michel“ über den Krossin-See glitt. In weiter Ferne kreuzten zwei Segelboote, sonst war auf der blauen Fläche nichts Lebendes zu erblicken. Nordhausen, ein begeisterter Freund unserer märkischen Heimat und ein ebenso begeisterter Anhänger der Wanderruderei, und seine Kameraden unterhielten sich einigermaßen betrübt über diese Erscheinung, denn sie waren Menschenfreunde und hätten gern Tausenden dieselbe Freude gegönnt, die ihnen Sonntag für Sonntag beschert wurde. Sie erinnerten sich daran, welche Bewegtheit immer ihr Herz erfüllte, wenn sie hinter Rahnsdorf oder Zeuthen ein anderes Ruderboot erspähten; wie einsam ihnen oft die Zeltnächte an den verlassenen Ufern der Müggel, der Großen Krampe oder gar der Havel erschienen. Wie ganz anders nützt der Amerikaner seine freie Zeit im Camping out, meinte einer, und Berlin will doch so gern amerikanisch sein!

Aus diesem Gespräch tauchte ganz von selber der Gedanke auf, der den Märkischen Ruderverein, richtiger gesagt, die Berliner Wanderruderei ins Leben rief. Gewiss, sie war schon vor 1901 da, zählte eine Reihe von Anhängern, doch diese Zählung erforderte damals nicht viel Zeit.

„Tatsächlich war die – leider im Allgemeinen recht platonische – Neigung des Berliners zum Wasser instinktiv berechtigt. Um keine Großstadt der Welt liegt so reiches Fluß- und Seenrevier ausgebreitet, nirgends ermöglichen sich so köstliche, abwechslungs- und freudenreiche Ruder- und Segelfahrten ins Weite. Trotz alledem aber hat die Meinung, dass Wasser keine Balken habe, bei uns auffällig lange vorgehalten. Längst bestanden in Deutschland nicht nur an der Wasserkante,sondern auch im Südwesten rührige Rudervereine, ehe sich der Berliner Unternehmungsgeist an eine gleiche Tat heranwagte. … Im großen Ganzen führte der Rudersport ein Dornröschenleben, das höchstens einmal im Jahre, anlässlich der Grünauer Regatta, unterbrochen wurde. Eine besondere propagandistische Wirkung übte indessen auch diese Regatta nicht aus; es genügte der Masse, dabei gewesen und bei dieser Gelegenheit den Kaiser gesehen zu haben.“

Richard Nordhausen im Berliner Lokalanzeiger, 14. November 1926


Rudern früher: Ein teurer Sport

Damals galt die Ruderei noch als ein ebenso exklusiver wie teurer Sport: Nur Leute mit „sehr geschwollenem Portemonnaie“, so hieß es, konnten sich an dem kostspieligen Klubleben beteiligen. Wer ihm huldigte – meist als Trockenskuller – gab sich ein feierliches Ansehen, erzählte unaufhörlich von Sektbowlen, Krebsessen, Borchardt-Frühstücken und tat so, als gehöre zu den ersten Erfordernissen zum Eintritt in einen Ruderverein ein Jahresverdienst von 36.000,- Mark. Die Kameraden aus dem „Deutschen Michel“ sagten sich aber, dass es recht gut möglich sein müsse, die Wanderruderei weiten Kreisen zugänglich zu machen. Mit geringem Monatsbeitrag einen Ruderverein aufzubauen und zu erhalten – einen großen Ruderverein, der seinen Mitgliedern wirklich genügend viele Boote und ausreichende Rudergelegenheit bieten könne. Grundgedanke war, neben den bereits bestehenden Rudervereinen nicht einen gleichartigen ins Leben zu rufen, sondern vielmehr mit dem Wanderrudern eine neuartige Sportbewegung auf breiter Grundlage für die Allgemeinheit zu schaffen – der Rennbetrieb schied alleine schon aus Kostengründen aus.


Die Idee: Rudern für Jedermann, vor allem für die Jugend

Um den Plan durchführen zu können, die Berliner Jugend für die Ruderei zu gewinnen, bedurfte es umfänglicher Werbung. Richard Nordhausen, Journalist und Schriftsteller, wählte für die beschlossene Propaganda den Weg des Zeitungsaufsatzes. Und so erschienen dann im Sommer 1901 jene Lokalanzeiger-Artikel, die den Berlinern eine ganz neue Art wirklichen Sonntagsvergnügens zeigten. Der Erfolg der „Im Boote durch die Mark“ betitelten Serie war von Anfang an groß.

„Einigermaßen erstaunt vernahm Berlin, dass nicht nur Potsdam, das im Glanz seiner Havel prunkende, den Bädekerstern verdiente, sondern dass auch im Südosten der Stadt noch stolzere und liebenswürdigere Grazie thronte. Wer sich an der Oberbaumbrücke ins Bootsetzte, konnte 36 Kilometer stromaufwärts fahren,ohne auf eine Schleuse zu stoßen, und dann weitere dreißig, vierzig Kilometer auf waldumstandener, verschwiegener Flut zurücklegen. Gelüstete es den Ruderer nach anderen Reizen und Abenteuern, so stand ihm der Wanderweg über die Havel bis nach Werder, Brandenburg usw. offen. Ebenso leicht konnten von Berlin aus die Mecklenburgischen Seen erreicht werden, die gute Kenner von jeher zu den schönsten des Vaterlandes gerechnet haben.“

Richard Nordhausen im Berliner Lokalanzeiger, 14. November 1926


Zeitungsartikel über’s Rudern begeisterten – und brachten Interessierte zusammen

Immer wieder gingen dem Verfasser, der unter dem Pseudonym Max Kempff schrieb, begeisterte Briefe und dringende Bitten zu, die Gründung eines neuen, großen Rudervereins selbst in die Hand zu nehmen. Doch Nordhausen wartete zunächst ab und beschränkte sich darauf, in immer neuen Arbeiten die Reize der märkischen Wasserlandschaft und die großen gesundheitlichen Vorzüge der Wanderruderei zu schildern. Eine ausgedehnte Folge von längeren und kurzen Sportnotizen, die Tag für Tag in der Zeitung veröffentlicht wurden, ergänzte diese Arbeiten. Der Erfolg überstieg alle Erwartungen. An die 1.600 bis 1.700 Zuschriften trafen innerhalb einer Woche ein, aus denen etwa 50 Interessenten ausgewählt und in das damalige Tucherbräu in der Friedrichstraße zu einer Vorbesprechung eingeladen wurden. An jenem Abend wurde die Gründung des neuen Rudervereins beschlossen, die Gründungsversammlung auf den 31. Oktober 1901 festgesetzt. Bis zu diesem Tage gingen noch so zahlreiche Anfragen und Zuschriften ein, dass man sich gezwungen sah, einen der größten Säle im Berliner Westen, die Victoria-Säle in der Leipziger Straße,zu mieten, am späteren Standort des Kaufhauses Wertheim. Am Abend des 31. Oktober, als die Gründungsversammlung eröffnet wurde, zählte man ca.2000 Besucher.


Die Namensgebung

Es wurde beschlossen, dem neuen Verein den Namen „Märkischer Ruderverein“ zu geben, mit dem Ziel, die Liebe zur märkischen Heimat, zur Natur und zur Wanderruderei zu wecken. Richard Nordhausen wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Von den sich während der Versammlung um die Aufnahme bewerbenden Interessenten konnten zunächst nur rund 300 berücksichtigt werden, so dass der neue Verein von seiner Gründung an zu dem damals an „aktiven“ Mitgliedern stärksten Ruderverein geworden war.

„Zu den vorhandenen Rudervereinen einen neuen zu gründen, darum allein hätte sich der Aufwand nun freilich nicht gelohnt. Aber tatsächlich wuchs sich der Märkische Ruderverein rasch zu einer umfassenden Ruderbewegung aus.“

Richard Nordhausen im Berliner Lokalanzeiger, 14. November 1926

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Der Verein lebt – allerdings erstmal ohne Boote

Die allgemeine Stimmung der Gründungsversammlung war geprägt von dem Gedanken„Im Frühling sitzen wir schon alle im Boot!“. Dass einstweilen weder Boote noch ein Bootshaus vorhanden waren – lediglich zwei Privatboote,ein Doppelzweier und ein Einer -, dass von keiner Seite ein Pfennig Geld zu erwarten war, dass das ganze Unternehmen aus eigener Kraft gestemmt werden musste, daran dachten in der Begeisterung der Stunde nur wenige.

Über die für einen Ruderverein nötigen Mannschaften verfügte der Märkische Ruderverein somit von Anfang an; sonst aber fehlte es an allem. Es mussten Boote und ein Bootshaus beschafft werden, daneben erhob sich die schwierige Frage, wie die Massen von Ruderwilligen herangebildet werden sollten – hatten doch die allermeisten von ihnen noch nie einen Riemen in der Hand gehabt. So erfolgte die ruderische Ausbildung zunächst in einer primitiven Ruderkastenanlage in einer Badeanstalt.


Das erste Bootshaus

Da nur drei Mark Monatsbeitrag erhoben und sonst kaum eine weitere finanzielle Beteiligung von den Mitgliedern verlangt wurde, war es trotz aller Sparsamkeit nicht möglich, ein großes Vereinsvermögen anzusammeln. So sprang Richard Nordhausen ein, baute überweigend mit seinem Geld das erste Bootshaus in Stralau am Rummelsburger See, einen schlichten Holzbau, der am 1. April 1902 eingeweiht werden konnte und im Laufe der Jahre auf vier Bootshallen erweitert wurde. Ebenso schoss Nordhausen die für den Bau von zunächst rund 50 Booten erforderliche Summe vor, ein im März 1902 bei „Kroll“ veranstaltetes Ballfest „Pfingstabend in Teupitz“, das mehr als 2000 Besucher verzeichnen konnte, brachte zudem einen Überschuss von über 3000,- Mark in die Vereinskasse. Die Mitgliederzahl wuchs ständig und erreichte bis zum Jahre 1906 mit 754 Mitgliedern ihren höchsten Stand. Der Bootspark wies inzwischen 72 Vereinsboote auf:

2 Doppelachter
2 Riemenachter
15 Doppelvierer
27 Riemenvierer
14 Doppelzweier
6 gedeckte Zweier
5 Übungsboote
1 Stammboot „Deutscher Michel“

Für die damalige Zeit eine ansehnliche Flotte, die dem für jeden Sonntag festgesetzten Fahrtenziel, von dem sich keine Mannschaft ausschließen durfte, entgegen fuhr. Besonders auffällig waren die Doppelvierer, die es damals auf der Spree noch nicht gab.

„Je nach Gemütsart und Temperament freute sich das Berliner Kind an den für damaligen Geschmack reichlich ausgezogenen Ruderern oder nahm Ärgernis an ihnen, bestaunte auch wohl die schmalen Auslegerboote, die schwimmenden Särge, wie man sie nannte, und war im Geheimen von der Spleenigkeit der Insassen überzeugt.“

Richard Nordhausen, Berliner Lokalanzeiger, 14. November 1926


Viele Ruderer auf dem Wasser ziehen Aufmerksamkeit auf sich

Da es auf den Gewässern außer den Ruderern und Seglern nur vereinzelte Kanufahrer und keine Massen motorisierter Wasserfahrzeuge gab, darf es nicht verwundern, dass die „Märker“ bei dieser Anzahl an Ruderern und Bootsmaterial sowie durch geschlossenes Auftreten auffielen, was von älteren Rudervereinen nicht immer ohne Neid vermerkt wurde.

So viele Ruderer wie möglich aufs Wasser zu bringen, war das Gründungsprogramm des Märkischen Rudervereins. Er bemühte sich, die Berliner Wanderruderei in weiten Kreisen volkstümlich zu machen. In Stralau spielte sich, zumal freitags und sonntags, ein Betrieb ab, wie ihn noch kein Berliner Ruderverein gesehen hatte. Der Bootsplatz war morgens und abends gerammelt voll, so dass sich die Ruderer mühsam zwischen den Booten hindurchwinden mussten. Rasch stieg auch die zurückgelegte Boots-Kilometerzahl. Im Jahre 1902 betrug sie 48.641 km und 1903 bereits 66.138 km, um 1904 auf 68.348 km und 1905 auf 100.599 km anzusteigen. 1905 war es auch, als der Ur-Märker Richard Mickley mit seiner Fahrt im Doppelzweier „Deutscher Michel“ auf „Oder – Dievenow -abwärts und dann die Ostseeküste entlang – Danzig- Frisches Haff – Cadinen, Balge – Königsberg,Wehlau, Pregel-wärts – Swine etc., schließlich zur großen ostpreußischen Seenplatte“ Aufsehen erregte. In diesem Jahr erbrachte er die wanderruderische Höchstleistung von 6.037 km. Im Jahre 1906 folgte seine „2. Große Seefahrt“: „Zuerst die Havel und dann die Elbe abwärts, den Nordostsee-Kanal über Kiel, Laboe, nach Markelsdorf auf Fehmarn; nach Nyköbing, Vordingborg, an ,Möen“ vorbei; auch am Sund nach Kopenhagen weiter zum Sund zwischen Helsingör (Dänemark) und Helsingborg (Schweden).“
So vergingen die Jahre. Es blieb freilich nicht aus, dass Kameraden, die sich mehr dem Rennsport verbunden fühlten, dem Märkischen Ruderverein den Rücken kehrten:

„Wohl kein Verein Groß-Berlins, der nicht aus dem Gewimmel unserer Mitglieder reichlichen Zuschuss gewonnen hat. Doch gerade dadurch setzte sich die märkische Wanderruderidee allenthalben durch, der Wanderruderer fühlte sich von nun an dem Rennruderer gleichberechtigt. Wanderruderei und Rennrudereigehören ja auch in Wahrheit zusammen. Wir wollen der Versuchung widerstehen, eine ausführliche Liste aller Vereine zu geben, die von Mitgliedern des Märkischen Rudervereins ins Leben gerufen sind …“

(Festschrift „25 Jahre MärkischerRuderverein“, 1926)

„Wer sich für eine Kanone hielt und ein Regattaheld sein wollte, genoss im Wanderruderverein die denkbar beste Vorbildung. Hunderte von Koryphäen, die später in Grünau, Frankfurt am Main und Hamburg geglänzt haben, wären ohne die Gigs der Wanderruderer überhaupt nie zur Ruderei gekommen.“

Richard Nordhausen im Berliner Lokalanzeiger, 14. November 1926


Erweiterung des Rudergebietes – Mehr Bootshäuser

Von vornherein gab es den Plan, neben der Spree die Havel und die Gewässer hinter Königs Wusterhausen für unseren Verein zu erschließen. Bereits 1903 wurde mit dem Gastwirt Freund auf Pichelswerder ein Abkommen getroffen, dass er Grund und Boden für die Errichtung einer Bootsunterkunftshütte zur Verfügung stellte, eine ebensolche Abmachung wurde 1904 in Zernsdorf getroffen. Das Zernsdorfer Bootshaus wurde später nach Cablow verlegt und dann geschlossen. Stattdessen wurde im Jahre 1920, auf eigenem Grund und Boden, das Zweigbootshaus in Neue Mühle bei Königs Wusterhausen eröffnet. Darüber hinaus wurde, ebenfalls 1920,eine Zweigabteilung in Werder gegründet, die aber kurz vor dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgegeben werden musste.


Der Märkische Ruderverein im Ersten Weltkrieg

Bei den beschränkten Mitteln des Vereins war an größere Bauten in Pichelswerder wie in Zernsdorf nicht zu denken, plante man doch den Bau eines massiven Bootshauses in Baumschulenweg am Plänterwald. „Alles bar bezahlen!“ war vom ersten Tag das Leitwort. 76.000,- Mark, die der Märkische Ruderverein aus seinen laufenden Einnahmen erspart hatte, sollten den Grundstock dieses Hauses bilden. Den Restbetrag aufzubringen, hatte sich eine größere Zahl von Mitgliedern verpflichtet. Nach vollendeter Fundamentierung war Ende Juli 1914 mit dem Bau begonnen worden – da brach, vier Tage später, der Krieg aus und die Arbeiten wurden eingestellt. Erst elf Jahre später, 1925, konnte der alte Plan in vergrößertem Maßstab, wieder aufgenommen werden. Nur dass es jetzt doch sehr an den notwendigen Finanzen mangelte.


Die Mädchenabteilung Frigga

Bis zum Jahre 1914 hatte der Märkische Ruderverein, trotz mannigfacher Widerstände unter den Mitgliedern, in seiner Werbearbeit nicht nachgelassen. So wehrte man sich gegen Nordhausens Absicht, dem bisherigen reinen Herrenverein eine Mädchenabteilung anzugliedern: „Als ich 1908 meinem Verein eine Mädchenabteilung angliederte, kam es zu geradezu eruptiven Ausbrüchen des Zorns, und meine ganze damalige Autorität war nötig, um die Neugründung zu erzwingen.“ Im Zuge des Beitritts des Märkischen Rudervereins zum Deutschen Ruderverband im Jahre 1913 musste diese Abteilung in den selbstständigen „Berliner Ruderverein ,Frigga’“ umgewandelt werden. Im Jahr 1915 zählte die „Frigga“ bereits 219 Mitglieder. 1914 hatte Richard Nordhausen, ebenfalls gegen erbitterten Widerstand, den Jugend-Ruderverein „Jung Frithjof“ins Leben gerufen. Beide Vereine wurden mit dem MR zur Arbeitsgemeinschaft „Märkischer Adler“ verbunden.


Die goldenen Zwanziger – Inflation

Inzwischen wurde trotz aller Schwierigkeiten der Neubau in Baumschulenweg in Angriff genommen, unter großen finanziellen Opfern des Vorstands und anderer Mitglieder 1926 überwiegend fertiggestellt und in seiner endgültigen Gestaltung zum Abrudern 1929, wenn auch nur intern, eingeweiht.


Der zweite Weltkrieg

Allzu viele Jahre konnten sich die „Märker“ dieses prächtigen, ja beinahe pompösen Bootshauses nicht erfreuen. Der Zweite Weltkrieg mit seinen schrecklichen Folgen, in dem wiederum viele Kameraden ihr Leben lassen mussten, raubte dem MR seinen Besitz. Der Stützpunkt Pichelswerder ging am 16.Dezember 1943 in Flammen auf. Das Bootshaus in Baumschulenweg fiel mit allen darin befindlichen Vereins- und Privatbooten und dem gesamten Inventar in der Nacht des 29. Dezember 1943 durch Bomben der Vernichtung anheim. Schließlich verloren wir auch noch den von allen Kriegsgeschehnissen verschont gebliebenen Stützpunkt Neue Mühle durch Enteignung. Den Vorwand für die Enteignung bot die Tatsache, dass der Märkische Ruderverein im Zuge der nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus erfolgten zwangsweisen Eingliederung aller Sportverein in den Deutschen, später NS-Reichsbund für Leibesübungen von den Siegermächten ebenfalls als „Naziorganisation“ angesehen wurde und deshalb sein Eigentum der Beschlagnahme durch die sowjetische Besatzungsmacht verfiel. Eine Rückübertragung nach der Wende erwies sich aus rechtlichen Gründen als nicht mehr möglich. Diese Entwicklung mitzuerleben, blieb Richard Nordhausen, der 1941 verstarb, erspart. Bereits vorher, im Jahre 1934, hatte er sein Amt als 1.Vorsitzender an den langjährigen Schatzmeister des Vereins, Erich Flügel, übergeben, der es bis zum Kriegsende unter großen Widrigkeiten getreu verwaltete.

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Nachkriegszeit – Glücklicher Zufall bringt die Märker zurück nach Pichelswerder

Nach Kriegsende hatte der Märkische Ruderverein zunächst seine Vereinsgrundlage verloren, er war heimat- und besitzlos geworden. Aber der alte Märkergeist war nicht tot. Bereits ab 1946 fanden sich immer mehr der alten Mitglieder zusammen, um sich über ein Wiederaufleben des Märkischen Rudervereins Gedanken zu machen. Da kam uns, nachdem die Vereinssperre aufgehoben und durch das Vereinsgesetz von 1950 die Tätigkeit von Sportvereinen ohne besondere Lizenzierung durch die Besatzungsmächte zugelassen war, ein glücklicher Umstand zu Hilfe.

Das dem Wasserbau-Fiskus gehörende Pachtgrundstück in Pichelswerder war nach der Zerstörung des alten Bootshauses durch ehemalige Mitglieder abgeräumt und dann zwecks Erhaltung für den Verein auf eigene Rechnung bis 1951 gepachtet worden. Der Senat von Berlin wünschte nun, dass das Gelände wieder wassersportlich genutzt und zu diesem Zweck der Verein neugegründet würde. Anlässlich der ersten Nachkriegs-Weihnachtsfeier von Mitgliedern der Baumschulenweger Gruppe mit den Kameraden von Pichelswerder im Dezember 1951, die gleichzeitig der Erinnerung an das 50-jährige Bestehendes Märkischen Rudervereins diente, wurde ein Ausschuss gewählt, der die Vorbereitungen zur Wiedergründung des Vereins, unter anderem auch die Grundstücksverhandlungen, zu erledigen hatte.


Wiedergründung 1952

Am 9. Februar 1952 war es dann endlich soweit. 47 ehemalige Mitglieder trafen sich im „Restaurant Schultheiss“ am S-Bahnhof Sonnenallee. 41 von ihnen erklärten sofort ihren Beitritt zu dem neuen Verein, der aus grundlegenden Erwägungen zunächst unter dem Namen „Märkischer Adler Wassersportverein“ gegründet wurde. Zum Vorsitzenden wurde Kamerad Rudolf Selke gewählt.

In Ermangelung jeglichen Sportgerätes begann der Verein seine Tätigkeit zunächst als „Spar-,Wander- und Geselligkeits-Verein“. Die Beiträge waren erklärtermaßen äußerst gering, so dass vorerst keine Schätze angesammelt werden konnten. Trotzdem wurden im Sommer 1952 zwei Doppelzweier angeschafft, den Kaufpreis hatten einige Kameraden verauslagt. Im Oktober 1952 erfolgte die Gründung einer Jugendgruppe mit zehn Mitgliedern. 1953 konnte – wiederum mit kameradschaftlicher Unterstützung – ein dritter Doppelzweier in Dienst gestellt werden, um die aktive Jugendarbeit weiter zu fördern.


Das provisorische Bootshaus

Als Bootshaus dienten zunächst ein auf vier Pfählen ruhendes Bretterdach zum Umkleiden und als Regenschutz, von den Märkern liebevoll „Negerkral“ genannt, eine aus einem alten Küchenschrank mit Überdach gefertigte provisorische „Kaffeeküche“ und eine Art Laubentoilette. Diese drei Einrichtungen stellten damals den Gipfel des Komforts dar. Die Boote mussten im Freien lagern. Komfortabler wurde es im Herbst 1952 in Form eines geliehenen Viermast-Armeezeltes, von den Märkern „Zirkus“ getauft, das für die nächsten drei Jahre gleichzeitig Bootsunterkunft, Gesellschaftsraum und Ferienheim war.

Nachdem bei der Wiedergründung des Vereins bestehende rechtliche Bedenken gegenstandslos geworden waren, wurde auf einer Hauptversammlung im Juni 1954 beschlossen, den alten und traditionsreichen Namen „Märkischer Ruderverein“ wieder anzunehmen. Die Eintragung bei Gericht erfolgte am 2. August 1954.

Bau eines neuen Bootshauses

Allmählich wurde der Gedanke an ein neues massives Bootshaus immer lebendiger. Wesentlich kleiner und bescheidener als in Baumschulenweg würde es ausfallen, denn Grundstücksgröße und Geldmittel ließen keinen Palast zu. Das Vermächtnis unseres 1946 verstorbenen Kameraden Erich Sonnenthal – ein Boot trägt noch heute seinen Namen – und ein Toto-Darlehen ließen den Bootshausbau Wirklichkeit werden. Im Frühjahr 1955 wurde in Eigenarbeit mit der Aushebung und Planierung des Baugrundes begonnen. Am 29. Mai 1955 wurde der Grundstein gelegt und am 8. Juni bereits Richtfest gefeiert. Bald darauf war derRohbau fertig. Aus finanziellen Gründen war an eine Aufstockung zunächst nicht zu denken. Von den für diesen Fall vorgesehenen zwei Bootshallen wurde deshalb eine zu einem gemütlichen Aufenthaltsraum ausgestaltet. Der Innenausbau, die Installationen und vieles andere mehr wurden von den Märkern größtenteils selbst ausgeführt.


Wachsender Bootsbestand

Trotz dieser mühsamen Wiederaufbauarbeit wurde das Rudern nicht vergessen. Befreundete Nachbarvereine stellten den Märkern vor allem für das alljährliche An- und Abrudern leihweise Boote zur Verfügung. Denn bei allmählich wieder zunehmender Mitgliederzahl reichten die drei Doppelzweier trotz schichtweiser Belegung für einen angemessenen Ruderbetrieb bald nicht mehr aus. Aber erst, als die Bauverbindlichkeiten abgetragen waren, entschloss man sich 1956 zur Anschaffung des ersten neuen Doppelvierers, der noch durch eine Umlage finanziert wurde. 1957 folgte ein gebrauchter Doppelvierer, 1958 wurde ein weiterer Doppelvierer in Auftrag gegeben, der auf den Namen des Vereinsgründers „Richard Nordhausen“ getauft wurde und auch heute noch oft und gerne zu Ausfahrten genutzt wird. 1959 kam nochmals ein gebrauchter Doppelvierer hinzu, 1960 ein Doppelzweier. 1964 wurde der Bootspark um einen stolzen Doppelachter bereichert, der auf der Wassersportausstellung 1965 auf dem Stand des Berliner Regattavereins bewundert werden konnte. Nun hatten die Aktiven und vor allem die Jugendabteilung wieder reichlich Bootsmaterial zur Verfügung, was sich in einem Ansteigen der jährlichen km-Statistik bemerkbar machte.


Viele Fahrten und Feste

Das alljährliche An- und Abrudern, aber auch die traditionelle Pflaumenkuchenfahrt im Herbst sah meist die gesamte Bootsflotte auf dem Wasser. Wanderfahrten quer durch das auf Grund der Mauer so schmerzlich eingeengte „West-Berlin“, die Teilnahme an Sternfahrten zu anderen Vereinen und viele Wochenendausflüge bestimmten das Ruderprogramm der Märker. Zunehmend beteiligte man sich an Gemeinschaftsfahrten des DRV und des Berliner Regattavereins, die zum Rhein und zur Mosel, zum Main und zur Donau, um nur einige zu nennen, aber auch ins Ausland, sogar bis nach Südamerika führten – ganz im Sinne des Gründers Richard Nordhausen.

Aber auch feiern konnten und können die Märker. Gemeinsam feierten Stammverein, „Frigga“und „Jung Frithjof“ ihr Stiftungsfest im Bootshaus Baumschulenweg. Daneben veranstalteten die Abteilungen eigene Feste wie einen chinesischen Teeabend, einen Maskenball, ein Strandfest. Zur Faschingszeit gab es karnevalistische Sitzungen mit Elferrat, Funkengarde und Büttenrednern aus Mitgliederkreisen. Nach dem Wiederbeginn waren das offizielle An- und Abrudern die „Ereignisse des Jahres“. Schon bald wurde die Ballsaison auch durch das „Stiftungsfest“ des Märkischen Rudervereins bereichert.

Zum absoluten Höhepunkt der Festivitäten vergangener Jahre gehörte dagegen das alljährliche Sommerfest, für das zahlreiche Idealisten das Bootshaus mit bühnen- und fernsehreifen Kulissen in ein fernes Land verwandelten oder in historische Zeiten versetzten.

So hatten nicht zuletzt diese Sommerfeste den Namen des Märkischen Rudervereins in Rudererkreisen bekannt gemacht. Alljährlich kamen 300 bis 400 Gäste, um eine tolle Nacht am Pichelssee zu feiern. Leider sind diese Zeiten schon lange vorbei. Aus den Sommerfesten wurden sogenannte Oldie-Abende, die in unregelmäßigen Abständen stattfinden, bei denen sich aber auch heute noch zahlreiche Gäste aus befreundeten Vereinen zu einem gemütlichen Plausch zusammenfinden.

Rudern und Breitensport

Neben dem Feiern und Rudern kam und kommt aber auch der Breitensport nicht zu kurz. Vom LRV Berlin veranstaltete Fußball- und Volleyballturniere, auch das alljährliche Schwimmfest sahen und sehen häufig den Märkischen Ruderverein in ihren Teilnehmerlisten. Zu einer festen Einrichtung sind inzwischen die Tischtennis-Rundenspiele geworden. Hier kämpfen Märker in Spielgemeinschaft mit der Ruderriege der Turngemeinde in Berlin (TiB) gegen andere Rudervereine um Punkte und Klassenerhalt. Aber auch Bergwanderungen und Radtouren gehören zum Programm des Vereins.

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Fusion mit dem RCK

Doch wie ging es weiter in den Jahren des Wiederaufbaus? Bereits längere Zeit hatten Mitglieder des Ruder Club Kirschner (RCK) vor allem zwecks Erfüllung des Winterruderwettbewerbs bei den Märkern mitgerudert, da ihnen laut Mietvertrag das Betreten des eigenen Bootshauses während der Wintermonate nicht gestattet war. Dadurch hatte sich zwischen beiden Vereinen eine harmonische Kameradschaft gebildet. Schließlich kam man überein, den RCK im März 1974 zunächst als„Untermieter“ aufzunehmen, als dieser sich gezwungen sah, sein altes Domizil aufzugeben. Aus Rücksicht auf die traditionsgebundenen älteren Mitglieder des RCK hatte man von einer Fusion vorerst Abstand genommen. Die erfolgte mit eindrucksvoller Einstimmigkeit beider Vereine schließlich drei Jahre später, am 1. März 1977.

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Aufstockung des Bootshauses

Jetzt wurde auch wieder der Wunsch nach einer Aufstockung des Bootshauses mit vergrößertem Aufenthaltsraum laut, nicht zuletzt als Anreiz für neu zu werbende Mitglieder. Nach intensiven Beratungen und Gesprächen innerhalb des Vorstandes und mit den Mitgliedern wurde im November 1978 beim Senator für Bau- und Wohnungswesen ein Antrag auf mögliche Erweiterung eingereicht. Im Februar 1981 wurde der Bauantrag gestellt, im April 1983 wurde er genehmigt. Gleich darauf wurde ein Bauausschuss gegründet, der nun bis zur Fertigstellung des Gebäudes die erforderlichen tangierenden Aufgaben, von der Finanzierung über die Abstimmungen mit Behörden, Bauleitung und Firmen bis zur Koordination der Eigenleistungen und einer umfassenden Mitgliederinformation bewerkstelligen musste.

Nach dem Zuwendungsbescheid im Februar 1984 galt es, die letzte große Hürde zu nehmen: die Zustimmung der Mitglieder für das Bauvorhaben einerseits und das Finden der Bürgen für die Darlehenssumme andererseits. Aber die Jahreshauptversammlung im März 1984 wurde zu einem eindeutigen Vertrauensbeweis der Mitglieder für den Bauausschuss und den hinter ihm stehenden Vorstand. Die Bürgschaft für die erforderliche Darlehenssumme war in relativ kurzer Zeit gezeichnet, dringend benötigte Spendenzusagen wurden gemacht: So konnte am 2. Mai 1984, fast 5½ Jahre nach dem Antrag auf Baugenehmigung,offiziell mit den Bauarbeiten begonnen werden. Und war noch vom ersten Antrag bis zum Baubeginn soviel Zeit vergangen, so ging es von da an in nahezu atemberaubendem Tempo voran. In kürzester Zeit und mit rund 2000 Stunden an Eigenleistung der Mitglieder wurde der Rohbau erstellt, am 13. Juli konnte bereits Richtfest gefeiert werden. Nur ein knappes Jahr später, am 11. Mai 1985, erfolgte die feierliche Einweihung, der Märkische Ruderverein hatte endlich wieder eine angemessene Heimstatt gefunden. Sie war zwar in den Einzelheiten noch nicht ganz perfekt, viel Eigenarbeit war noch zuleisten. Doch mit ungebrochener Energie und Freude wurden auch diese Probleme gelöst. Als dann die zwischenzeitlich bei befreundeten Vereinen ausgelagerten Boote wieder „im eigenen Stall“standen, kam auch der Rudersport wieder zu seinem Recht, genauer gesagt: das Wanderrudern. Das alljährliche An- und Abrudern erfreute sich nicht zuletzt hinsichtlich des gemütlichen Bootshauses wachsender Beteiligung, die LRV-Sternfahrten sahen viele Märkerinnen und Märker in ihren Reihen, Fahrtenberichte aus Nord und Süd und West zeugen von der ruderischen Unternehmungslust der Vereinsmitglieder.

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Die Grenzöffnung

Als im Jahre 1989 das Wunder geschah und die Grenzen fielen, waren die Märker unter den Ersten, die in ihre Märkische Heimat hinausruderten, um endlich all das kennen zu lernen, wovon ihr Vereinsgründer Richard Nordhausen in seinen Schriften so begeistert erzählt hatte: Müggelsee, Teupitzsee, Seddinsee, Spreewald, Oder- ja, sogar nur nach Potsdam und Werder konnte man wieder rudern. Und es gab wohl kaum etwas, was schneller zusammenwuchs als die Kameradschaft zwischen den Ruderern aus Ost und West.

Trotz aller Freude über die neu erschlossenen Ruderreviere zeigte sich jedoch immer deutlicher, dass der Märkische Ruderverein unbedingt einer Verjüngung bedurfte. Der Strukturwandel im Freizeitbereich hatte alle Vereine erfasst und führte auch im MR zu einem deutlichen Mitgliederschwund. Dem musste entgegen gewirkt werden. Eine Satzungsänderung, mehrere „Tage der offenen Tür“ und verstärkte Werbungsbemühungen aus dem Mitgliederkreis führten anfangs nur zu einem geringen Mitgliederzuwachs. Doch das Engagement der Märker ließ sich nicht mehr stoppen, neue Mitglieder kamen, wenn auch nicht so in Strömen, wie vor 100 Jahren. Das Aufblühen unserer Jugendabteilung verstärkt die Hoffnung, dass sich der Märkische Ruderverein mit Zuversicht auf den Weg in sein zweites Jahrhundert begeben kann. Auch an Wochentagen ist unser Bootsplatz jetzt wieder belebter, Kinder und Jugendliche tummeln sich, um sich auf kleine und größere Fahrten zu begeben. Und bald werden auch sie – von den „Großen“ in die Geheimnisse der Wanderruderei eingeweiht – auf Wanderfahrt gehen.


Die Geschichte geht weiter

Unsere Aufgabe muss es nun sein, die Begeisterung unseres Vereinsgründers für die Wanderruderei, für unsere schöne märkische Heimat, an unsere jungen Mitglieder weiterzugeben, ihnen aber auch das Gefühl für die nunmehr 100-jährige Tradition des Märkischen Rudervereins zu vermitteln, für die Opferbereitschaft seiner Mitglieder, ihren Verein durch die Wirren zweier schrecklicher Kriege und ihrer Folgen am Leben zu erhalten.

„Denn wenn auch heute jeder junge Berliner und jede junge Berlinerin weiß, dass selbst der schmalste Geldbeutel die Teilnahme an den Genüssen der Wanderruderei ermöglicht, so drängt sich der Strom der Sportlustigen doch auffällig in andere Gefilde. Und das ist schade für beide Teile, die Berliner Jugend und die sportliche Ruderei. Zwar hat es oft den Anschein ,als seien Spree und Havel bereits überfüllt, ein so dichtes Gedränge rudernden, paddelnden, segelnden, motorbootfahrenden Volks tummelt sich auf ihnen. Aber jenseits von Königswusterhausen, hinter Neue Mühle, dehnen sich noch schier endlose, wundervoll von Wald und Wiesen umsäumte Wasserflächen, und auch um Potsdam herum gibt es der stillen Winkel noch genug. Es wird Aufgabe der Berliner Wanderrudervereine sein, nicht stille zu stehen …“

Richard Nordhausen, Berliner Lokalanzeiger, 14. November 1926

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Die einst zum Märkischen Ruderverein gehörenden Vereine

Die wechselvolle Geschichte des Märkischen Rudervereins, der am 31. Oktober 1901 gegründet wurde, ist mit einigen weiteren Vereinen eng verknüpft. Der erste, der hier genannt werden muss, ist der „Berliner Ruderverein ,Frigga’“, der 1908 bzw. 1909 als Mädchen- und Damen-Abteilung im MR entstand und 1913 – als Konsequenz des Beitritts des Märkischen Rudervereins zum Deutschen Ruderverband – selbstständig werden musste.

Zweiter in dieser Reihe ist der „Berliner Jugendruderverein ,Jung Frithjof’“, der die Jugend-Abteilung des MR darstellte, aber ab 1914 ebenfalls als eigenständiger Verein geführt wurde. Alle drei Vereine residierten im selben Bootshaus, verfügten zum Teil über eigene Boote und waren im übrigen unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft „Märkischer Adler“ zusammengefasst. Die An- und Abrudertermine wurden gemeinsam gestaltet, und auch die Feste wurden zum Teil gemeinsam organisiert. Ende der Dreißigerjahre wurden „Frigga“ und „Jung Frithjof“ wieder mit dem „Märkischen Ruderverein“ verschmolzen.

Ein weiteres Kapitel schrieb das MR-Mitglied Erich Wankelmuth, der auch Mitglied der NSDAP war. Er gründete unter dem Dach des „Märkischen Adlers“ die „NS-Rudergesellschaft ,Horst Wessel’“, wie es am 8. Juni 1933 im „Wassersport“gemeldet wird. Diese hatte aber nur kurz Bestand, da schon Ende des Jahres 1933 die Weisung des „Führer“-Stellvertreters Rudolph Hess erfolgte, dass kein Sportverband bzw. -verein die Bezeichnung „nationalsozialistisch“ tragen durfte, da dies nur Parteiorganen gestattet war.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg begann offiziell am 9. Februar 1952 mit der Neugründung des MR, zunächst unter dem Namen „Märkischer Adler-Wassersportverein“, und unter der Flagge der ehemaligen „Frigga“, nach der Rückbenennung in „Märkischer Ruderverein e.V.“ wird dann auch wieder die alte Flagge des Märkischen Rudervereins geführt.

Das bis jetzt letzte Kapitel in diesem Zusammenhang schrieb der Märkische Ruderverein zusammen mit dem „Ruder Club Kirschner“, beide Vereine fusionierten am 1. März 1977.


Berliner Ruderverein „Frigga“

Als der Vorsitzende Richard Nordhausen dem Märkischen Ruderverein 1908 eine Mädchenabteilung angliedern will, stößt er bei den Mitgliedern auf heftigen Widerstand: „Es waren hundert und mehr Mitglieder, die mit ihrem sofortigen Austritt drohten, wenn ich die Mädchenabteilung aufbauen würde“, erinnerte er sich anlässlich des 25. Gründungsjahres.

„In diesem Falle mußte schon sehr viel blinde Glaubenswut herhalten, um mich am erkannten Ziel nicht irre werden zu lassen. Wie ein Bauernkriegspraktikant, redend und schreibend, warb ich um Verständnis. … Es kam zu eruptiven Ausbrüchen des Zorns, und meine ganze damalige Autorität war nötig, um die Neugründung zu erzwingen.“

(Wassersport 52, Nr. 7, 15.2.1934, S. 92)

Am 9. Februar 1909 wurde die Mädchen-und Damenabteilung des Märkischen Rudervereins offiziell eröffnet. Dank Nordhausens werbendem Einsatz in der Presse und auf Versammlungen meldeten sich einige hundert Mädchen und Frauen, und so zählte die Abteilung gleich zu Beginn 110 Mitglieder.

Ganz so schwierig wie Richard Nordhausen die Gründung der Damen-Abteilung nach 25 Jahren des Bestehens selbst beschreibt, kann es aber nicht gewesen sein. Schon zu Beginn des Jahres 1907 erschienen im Vorfeld der Abteilungsgründungi m „Märkischen Ruderboten“ hitzige Leserbriefe, in denen das Für und Wider des Damen-Ruderns erbittert diskutiert wurde. Die ablehnende Haltung gegenüber dem Frauenrudern wurde hierbei überwiegend moralisch begründet:

Die Zeitungen machen neuerdings sehr nachdrücklich Propaganda für das Damen-Rudern. Einige unternehmende Fräulein werfen immer wieder die Frage auf, weshalb sich die großen Wander-Rudervereine der Sache nicht nachdrücklich annehmen. … Zweifellos ist die vernünftige Wander-Ruderei, wie wir sie betreiben, dem Frauenkörper gerade so gesund wie dem unsrigen, ja man möchte fast sagen, daß die durch das Korsettentartete und geschwächte Frau, deren innere Organe dank diesem Druckapparat beständig zusammen gepreßt werden und deren Verdauung wie Atmung stark darunter leiden, daß sie gerade der Ruderarbeit eigentlich kaum entbehren kann. … Daneben sei gern zugegeben, daß ein mit hübschen schick angezogenen Mädchen oder Frauen besetzter Vierer recht reizvoll ausschaut. Also wirklich: das weibliche Wesen, dem es auf ein paar Ruderschwielen nicht ankommt, das vielmehr eine Stärkung seiner Leiblichkeit, den Gewinn echter Schönheitslinien anstrebt, dies liebe Wesen soll ja rudern. … Aber mit ihnen im selben Heim hausen, dem M. R. eine Damenabteilung angliedern, das wollen wir doch unterlassen. … Aber wie denkt man sich das Zusammenleben auf dem Bootsplatze? Wie wir einen großen Teil unserer jungen Mitglieder kennen, würden sie dem natürlichen Widerstand holder Weiblichkeit nicht eisern widerstehen. Sobald die Damen in diesen männlichen Sport hineinkommen, verändert er seine Struktur. Was aber, wenn Mitglied sich zu Mitglied findet? Entweder artet der Verein zu einem Heiratskontor aus, wie es den großen Berliner Turnvereinen bei ähnlichen Versuchen ergangen ist, oder noch schlimmere Überraschungen treten ein. Die Ruderei ist ein männlicher Sport, und die Ruderei kann auch recht gut von Damen betrieben werden – diese beiden von mir aufgestellten Behauptungen scheinen sich zu widersprechen. Scheinen nur. Die große Wander-Ruderei wird gemeinhin den Männern überlassen bleiben müssen. Alles Damen-Rudern wird mehr Paddeln, deshalb jedoch, richtige Ausübung und Technik vorausgesetzt, nicht minder nützlich sein. Aber wie wir Männer unter uns bleiben und uns an der Freundschaft und Teilnahme unserer verehrten Vereinsdamen genug sein lassen wollen, so mögen auch die ruderlustigen Damen ihren Club für sich gründen. G.

Märkischer Ruderbote 5, 31.1.1907, Nr. 45, S. 711 (gekürzt wiedergegeben)

In der nächsten Nummer des Märkischen Ruderboten wird dem Vereinskameraden G. gekontert, die Fortschrittlichkeit sowie Vorbildfunktion des Märkischen Rudervereins werden als Argumente ins Feld geführt:

Die ablehnende Haltung, die ein Kamerad in der letzten Nummer des Ruderboten eingenommen hat, scheint mir nicht ganz berechtigt zu sein. Ich verkenne keinesfalls das Gewicht der von ihm vorgebrachten Gegen-Gründe, aber ich bedaure, daß er nur sie zusammengetragen hat. Wie andere Sportzweige, wird sich die Frau auch die Ruderei erobern. Es fragt sich da, ob der Märkische Ruderverein, der bisher bahnbrechend und allen neuen Gedanken zugänglich gewesen ist, von nun an auf der Bärenhaut liegen will. Früher war bei uns das Wort im Gange, wir hätten uns nicht bloß zusammengefunden, um einen neuen Verein zu gründen, …sondern wir waren die Träger einer neuen Ruderbewegung. Ist das wirklich anders geworden? …Stillstand bedeutet gerade für uns Rückschritt. Es hieße für uns, von der erklommenen Höhe zurücksinken, wenn wir tatenlos zusehen wollten, wie die Wander-Ruderei sich neue, große Schichten erobert … Das Problem des Damen-Ruderns ist nicht kurzer Hand zu lösen. Es verlangt eine gründliche und gewissenhafte Erörterung. …Mit Bequemlichkeit und Ruhebedürfnis ist der Märkische Ruderverein nicht gegründet worden …

e.f. Märkischer Ruderbote 5, 28.2.1907, Nr. 46, S. 726 (gekürzt wiedergegeben)

Bei dieser Diskussion zwei Jahre vor der offiziellen Gründung der Damen-Abteilung gingen die Fortschrittlichen, die Befürworter des Damen-Ruderns, als „Sieger“ hervor. Und so ist es nicht verwunderlich, dass im „Märkischen Ruderboten“ vom 31. Mai 1908 eine Reklame erscheint, in der eine Firma mit „der vollständigen Ausrüstung der Damenabteilung beauftragt“ ist. In der folgenden Ausgabe werden als Ruderleistungen im Monat Mai 1908 für die Damen-Abteilung angegeben:26 Tagesfahrten, 4.067 Mannschafts-Kilometer. Die höchste Kilometerzahl erreichten dabei: „Frl. Schwenke (88), Krüger (83), Gericke (83),Günther (83), Hensel (83), Borcherdt (83)“. Und so war es die logische Konsequenz, dass nach einer gut vorbereiteten Einführung die Damen-Abteilung mit einer stattlichen Anzahl von Mitgliedern gegründet werden konnte.

Das Frauenrudern und die Einrichtung von Damen-Ruderabteilungen war auch in anderen Vereinen heftig umstritten. Einige Herrenrudervereine gestatteten nur den Ehefrauen, Töchtern oder Bräuten ihrer Mitglieder zu rudern, wohl auch,um einen Austritt bei Eheschließung zu verhindern. Der erste Ruderverein, der eine Damenabteilung gründete, war 1901 der Berliner Verein Vorwärts. Es folgten 1904 der Deutsche Ruderverein Germania und 1909 der Märkische Ruderverein. All diesen Rudervereinen war gemeinsam, dass sie nicht Mitglied des Deutschen Ruder-Verbandes(DRV) waren, denn dieser duldete keine weiblichen Mitglieder. Als der Märkische Ruderverein dieMitgliedschaft im DRV beantragte, war ergezwungen, die Damen-Abteilung abzuspalten und in einen eigenen Verein umzuwandeln.

Im „Märkischen Ruderboten“ vom 1. Mai 1913 werden folgende Beschlussfassungen der Vorstandssitzung vom 26. März 1913 veröffentlicht: „In der Ausschußsitzung des D. R.-V. am 16.März wurde beschlossen, den M. R. aufzunehmen, sofern er den Vorschriften des Verbandes entsprechend, … die Damenabteilung abtrennen würde. Die Vorstandssitzung beschloß einstimmig, der zum 4. April einberufenen außerordentlichen Hauptversammlung den Antrag auf Eintritt des M.R. in den Deutschen Ruderverband zu unterbreiten und gleichzeitig auf dieser Versammlung die erforderlich werdenden Satzungsänderungen vorzunehmen. Der Damenabteilung wird auf ihrer nächsten Sitzung ein Vorschlag zu ihrer Selbständigmachung unterbreitet werden.“

Im „Wassersport“ 24. April 1913 verkündet Richard Nordhausen den Vollzug: „Die Damen-Abteilung ist von unserem Verein abgetrennt worden, so daß der Märkische Ruderverein jetzt keine weiblichen Mitglieder mehr hat. (Beschluß der Damenabteilung vom 3. d. M.; Beschluß der außerordentlichen Hauptversammlung vom 4. d.M.) Berlin, den 16. April 1913.“

Die in einen eigenen Damen-Ruderverein umgewandelte Frauen-Abteilung des Märkischen Rudervereins wird auf den Namen „Berliner Ruderverein ,Frigga`“ getauft. Die „Frigga“ zählt zu den ersten nach der Jahrhundertwende gegründeten Frauenvereinen. Bereits 1901 wurde der Friedrichshagener Damen-Ruderclub gegründet, der als erster selbstständiger, dauerhaft bestehender Frauenverein gilt sowie den modernen Vorstellungen von Körperertüchtigung entspricht. Es folgte 1907 die Gründung der Lübecker Damen-Rudergesellschaft und bis 1913 noch drei weitere Neugründungen in Berlin sowie eine in Hamburg. Um 1920existieren bereits 20 selbstständige Damen-Rudervereinein Deutschland.

Einen besonderen Gründungsboom erlebten die Damenabteilungen in Herrenvereinen während des ersten Weltkriegs. Die Damen waren als Beitragszahlerinnen und zur Aufrechterhaltung des Ruderbetriebs sowie der Instandhaltung der Bootshäuser willkommen. Nach Kriegsende und der Rückkehr vieler Männer in die Rudervereine zeigte sich jedoch bald, dass wenig echte Überzeugung hinter der Aufnahme des Frauenruderbetriebs gestanden hatte. Viele Damen-Abteilungen wurden mit dem Argument wieder geschlossen, dass der gemeinsame Übungsbetrieb moralisch schädliche Auswirkungen hätte. (Ellen Becker: „Mit Rock und Riemen“, 1992, S. 44 f.).

Die „Frigga“ blieb jedoch unangefochten und nahm ihren Sitz im Bootshaus des MR in Stralau, Krachtstr. 8. Stralau galt schon Ende des 19.Jahrhunderts als Zentralpunkt des Berliner Wassersports und hier verbrachten Mitglieder fast aller Gesellschaftskreise ihre Sommerferien und nutzten die Spree und den Rummelsburger See für wassersportliche Betätigung. Die Damen der „Frigga“ widmeten sich der Wanderrudererei und nahmen an Stilruderwettbewerben teil bzw. richteten diese selber aus und feierten Feste. Bereits 1915 zählte die „Frigga“ 219 Mitglieder. 1926 zieht die „Frigga“ mit dem MR in das provisorische Bootshaus in Baumschulenweg um. Die Flotte des Damen-Rudervereins umfasst nun 14 Gigboote. Im „Wassersport“ (Nr. 19, 8.5.1930) ist dann nach der offiziellen Bootshauseinweihung im Jahre 1929 folgende Meldung zu lesen: „Die Mitgliederzahl des Berliner Mädchenrudervereins ,Frigga‘ (Vorsitzender Erich Flügel, Berlin SO, Köpenicker Straße Nr. 124) hat die 100 beträchtlich überschritten. Zwanzigjährige emsige Arbeit fürs Frauenrudern hat sich gelohnt; es ist heute nicht nur in Berlin volkstümlich geworden, sondern beginnt in zunehmendem Maße ganz Deutschland zu erobern. Die ,Frigga‘ hat unlängst ein weiträumiges, modernes Bootshaus in Baumschulenweg bezogen; sie stellt für diese Ruderzeit vier weitere Doppel-Vierer in Dienst.“

Im Oktober 1931 veranstaltet die „Frigga“ einen internen Stilruderwettbewerb mit anschließender Taufe eines neuen Doppelvierers auf den Namen des Gründers und Förderers der „Frigga“ Richard Nordhausen. Den Taufspruch übernimmt der Geehrte selbst und weist in seiner Rede daraufhin:

… daß die Frau, die noch vor wenigen Jahrzehnten den Sport rein passiv, als nicht immer wohlwollend zuschauende Ehefrau, betrieb, sich nunmehr das Gebiet der Wanderruderei in vollem Umfang erobert hat. Auf der Spree sieht man heute schon an nicht wenigen Sonntagen mehr Mädchenboote als unmotorisierte Fahrzeuge der Herren-Rudervereine. Wenn diese Entwicklung so weitergeht, und alle Anzeichen sprechen dafür, dann werden die Frauen in nicht zu langer Zeit die Vorherrschaft auf dem Wasser ausüben. Es sei denn, daß die klägliche Wirtschaftslage und das unerträgliche Übermaß polizeiwidrig rascher Motorboote die Wanderruderei überhaupt zum Absterben bringt.

Wassersport 49, Nr. 44, 29.10.1931

Der Damen-Ruderverein „Frigga“ hatte immer einen männlichen Vorsitzenden. Anfang der Dreißigerjahre regte sich gegen diese Praxis offensichtlich Widerstand, denn Richard Nordhausen thematisiert die Diskussion in einem Artikel im „Wassersport“:

Also, die Frauenruderei marschiert, und nichts wird sie aufhalten. Auch Erörterungen über die heute ganz nebensächliche Frage nicht, ob es förderlich ist, sie unter weibliche oder männliche Leitung zu stellen. Im allgemeinen setzt die Anfängerin höheres Vertrauen in die Erfahrung bewährter Männlichkeit; weiß sich die Fahrensmaid dann erst einmal mit allen Wassern gewaschen, in Wind und Wetter erprobt, und zählt sie zu der Minderheit, die lieber von Eva als von Adam regiert sein will, dann mag’s sein, daß sie auch ruder- und verwaltungstechnische Gründe für ihre Stimmungen findet.

Wassersport 52, Nr. 7, 15.2.1934

Es bleibt dabei, Männer fungieren weiter als Vorsitzende des Damen-Rudervereins „Frigga“. Im Laufe der Jahre übernehmen dieses Amt die Herren Arnold Pankrath, Oskar Heidemann, Max Pfeifer und Erich Flügel.

Der Berliner Ruderverein „Frigga“ feiert sein Stiftungsfest generell nicht anlässlich seiner offiziellen Gründung im April 1913, sondern immer anlässlich der Eröffnung der Mädchen- und Damen-Abteilung des MR im Jahre 1909. Dies liegt vielleicht am Selbstverständnis der „Frigga“, denn die Satzung der Damen-Abteilung war schon so gestaltet, dass sie als selbstständiger Verein agieren konnte – wir können es heute nur vermuten.

Gegen Mitte der Dreißigerjahre nimmt die Mitgliederzahl der „Frigga“ erneut ab, im statistischen Almanach des Wassersports findet sich 1938 die Mitteilung, dass der Berliner Ruderverein „Frigga“ mit dem Märkischen Ruderverein verschmolzen worden ist.

Flaggenlied der „Frigga“

  1. Die Flut ist unser! Durchs Gelände
    eilt Friggavolk mit kühnem Sinn,
    und sicher führen Mädchenhände
    das Boot durch Wind und Wellen hin.
    Uns muß ja jede Fahrt gelingen!
    Denn sei das Ziel auch noch so fern,
    der Heimat Adler regt die Schwingen
    für uns! Und hell strahlt unser Stern.
  2. O Ruderkunst, geliebte Mühe!
    Glück, mit des Stromes Melodien
    in märchenstiller Sonntagsfrühe
    rasch über Fluß und See zu zieh´n!
    Des Wassers Blau schäumt weiß kristallen
    und lockt uns in das Morgenrot –
    die schönsten Farben doch von allen
    umleuchten unser Friggaboot.
  3. Es grüßt aus unsrer Flagge Falten
    ein reines Weiß, kreuzüberblaut;
    so wollen wir in Ehren halten,
    was rein und weiß uns anvertraut.
    Auf weißem Grund des Himmels Bläue,
    rot funkeln Aar und Stern hinein –
    das sind die Farben inn´ger Treue,
    der Herzensfreundschaft im Verein.
  4. Drei Farben laßt uns eng verweben!
    So stolz und stark, wie wir die Flut
    bemeistern, meistern wir das Leben!
    Rot ist und jung der Rud´rin Blut –
    drei Farben, funkelnd wie Juwelen!
    Wo flott ein Boot des Weges zieht,
    ein Friggaboot, kling´ durch die Seelen
    von weiß – blau – rot das Flaggenlied!

Text: Richard Nordhausen

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Berliner Ruderverein „Jung Frithjof“

Am 14. April 1914 wurde der „Berliner Ruderverein ,Jung Frithjof’“ von den Märkern gegründet. Schon Jahre im Vorfeld dieser Vereinsgründung begann die Diskussion um die Jugend-Ruderei. Im „Märkischen Ruderboten“ erschien im Juni 1912 der Vorabdruck eines Artikels aus dem„Jungdeutschland-Kalender für 1913″ unter dem Titel „Die Ruderei und die nationale Jugend“. Der Verfasser beklagte, dass der Staat zwar die Gymnasiasten-Ruderei unterstützte, jedoch nicht die Ruderei für die Jugend aus schlechter bemittelten Gesellschaftsschichten und appellierte an die großen Rudervereine, „die ein Herz für die Jugend unseres Volkes haben“ und forderte, dass „jeder national gesinnte Ruderverein es sich zur patriotischen Aufgabe machen muß, eine Jugend-Abteilung ins Leben zu rufen und zu erhalten -aber nicht etwa nur für die Söhne, Neffen usw. seiner Mitglieder!“ Der Artikel bewirkte eine Diskussion unter den Märkern. In der Vereinszeitung erschienen 1912 Stellungnahmen zur Frage des Jugend-Ruderns. Die darin zitierten Fachblätter des Rudersports befürworteten für „die Jugend zwischen 14 und 18″ ausnahmslos das Rudern, da „die männlichen Tugenden bei den Heranwachsenden,… wie Zähigkeit, Selbstvertrauen,Geistesgegenwart, Manneszucht“ und auch die „bewußte Liebe zur Heimat“ gerade durch die Wanderruderei geweckt und gestärkt würden. (Märkischer Ruderbote10, Nr. 113, 30. September 1912, S. 1626)

Die Märker befürworteten selbstständige Jugendvereinsgründungen und lehnten die bloße Angliederung von Jugend-Abteilungen an Herrenvereine jedoch ab. Dies geschah ganz im Sinne der Kabinettsorder vom 27. Januar 1898, die vorschrieb, dass Schüler von den Rudervereinigungen der Erwachsenden unbedingt ferngehalten werden müssen. Diese wurde sogar in der zweiten Ausgabe des „Märkischen Ruderboten“ abgedruckt. 1914 war es dann endlich soweit. In der Vorstandssitzung am 25. März 1914 wurde Richard Nordhausens Antrag auf Gründung eines eigenständigen Jugendrudervereins einstimmig angenommen. Zum ersten Vorsitzenden des „Jung Frithjof“ wurde A. Mäcke, zum Stellvertreter Franz Schaak und als Schatzmeister Erich Flügel gewählt.

Die Nr. 134 des „Märkischen Ruderboten“ vom 8. Juni 1914 wies erstmals im Untertitel den „Großberliner Jugendruderverein JungFrithjof“ aus. Der „Märkischer Ruderbote“ war fortan gemeinsames Organ des Märkischen Rudervereins, der „Frigga“ und des neuen Jugend-Vereins. Die drei Vereine wurden laut Beschluss der außerordentlichen Hauptversammlung vom 10. Juli 1914 unter dem Namen „Märkischer Adler“ als Arbeitsgemeinschaft zusammengefasst, die auch eine eigene Satzung erhielt.

Bereits im Juni 1914 absolvierten die Mitglieder des „Jung Frithjof“ 2.068 Bootskilometer. Das erste Sommerfest des jungen Rudervereins fand am 4. Juli 1914 statt. Richard Nordhausen bezeichnete in seiner Festrede anlässlich dieser Veranstaltung „den Jung-Frithjof als strammen Säugling, zu dessen tatkräftigem Vater sich der Märkische Ruderverein, zur gütigen Mutter die Frigga bekennt.“

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges und die Mobilmachung Anfang August 1914 störten das Vereinsleben empfindlich. Viele Mitglieder des „Jung Frithjof“ wurden eingezogen, darunter auch der Vorsitzende und sein Stellvertreter. Daheim gebliebene Mitglieder übernahmen die Geschäfte (Robert Ammann, Vorsitzender; Walter Sander, Stellvertreter). Anfang 1916 befanden sich vom Märkischen Ruderverein und vom „Jung Frithjof“ insgesamt 220 Vereinskameraden an der Front. 18 Gefallene waren zu diesem Zeitpunkt bereits zu beklagen.

Nach dem Krieg erholte sich das Vereinsleben nur mühsam und wurde durch die Weltwirtschaftskrise der zwanziger Jahre beeinträchtigt. Die Vereinsaktivitäten und der Ruderbetrieb wurden dennoch weitgehend wieder aufgenommen. An- und Abrudern, Dauer-Wettrudern, Oster- und Ferienfahrten und eine Vielzahl von Sitzungen standen regelmäßig auf den Vereinskalendern der Zwanzigerjahre. Das gesellige Leben mit seinen Sommerfesten, Sonnenwendfeiern, Vortragsabenden, Weihnachtsfeiern und den alljährlichen Stiftungsfesten blühte ebenfalls wieder auf.

Rückblickend schrieb Richard Nordhausen im „Wassersport“ 1934:

„Gegen die Jugendruderei- ,Säuglingszappeln‘ ward sie getauft – setzte man sich … reckenhaft zur Wehr und begrub unter Hohngelächter die düstere Prophezeiung, daß ein Jahrzehnt später jeder Ruderverein seine Jugendabteilung hätscheln werde.“

(Wassersport 52, Nr. 7, 15.2.1934, S. 92)

Im Zuge der nationalsozialistischen Umgestaltung des Sports wurde am 4. Juni 1935 der „Berliner Jugend-Ruderverein ,Jung Frithjof’“, dem MR als Jungmannen-Abteilung angegliedert.

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Ruder-Club-Kirschner

Die Gründerjahre strebten ihrem Höhepunkt entgegen, als Rudolf Virchow 1891 zum Ehrenbürger der Stadt ernannt wurde. Geblieben ist sein Name im heutigen Universitätsklinikum der Charité. Die Durchsetzung dieses Bauprojektes, wie auch des Osthafens, des Krankenhauses Buch sowie weiterer großer Vorhaben, ist an einen anderen Namen geknüpft: Martin Kirschner (1843 – 1912). Für Wilhelm II. ein wenig zu freisinnig, musste er nach seiner Wahl zum Oberbürgermeister geraume Zeit auf die Bestätigung durch den Kaiser im Jahre 1899 warten. Aus Gesundheitsgründen verließ er 1912 sein Amt und wurde Ehrenbürger. Kurz vor der geplanten Zeremonie starb er im September 1912.

Aus dem enormen Bevölkerungszuwachs der Stadt in dieser Zeit resultierte die Ausweitung neuer Stadtteile, wie Hansaviertel und Moabit. Ziemlich genau an der Grenze beider Stadtviertel entstand in der Zwinglistraße eine neue Oberschule mit gediegener Ausstattung für die naturwissenschaftlichen Fächer. Sie wurde 1912 eröffnet und erhielt als Reverenz an den Oberbürgermeister ihrer Bauzeit den Namen „Kirschner Oberrealschule“ (KOR). Zum Gründungsdirektor wurde Prof. Dr. Johannes Tropfke berufen. Er blieb bis 1932 Leiter dieser Schule. Sein Name und der Martin Kirschners begegnen uns heute am Bugzweier Vierer des Märkischen Rudervereins wieder.

Die Abtretung der Provinz Posen an Polen als Folge des ersten Weltkrieges brachte wenige Jahrzehnte nach dem Ansturm der Gründerzeit eine weitere Bevölkerungszuwanderung aus diesem Gebiet in das verbliebene Deutsche Reich. So kam 1919 ein Pennäler, Gerhard Gassner, der in Posen die ersten Ruderschläge gelernt hatte, nach Berlin und in die KOR. Er empfand es als „unerhörte Tatsache“, dass die KOR keine Rudermöglichkeit bot und „propagierte die Gründung eines Rudervereins an der KOR“.

Entscheidend unterstützt wurden diese Aktivitäten durch den Mathematiker und Ordinarius der Prima, Dr. Karl Bauch. Er erreichte, dass die KOR in den Schüler Ruderverband Wannsee aufgenommen wurde und zunächst verbandseigene Boote (Riemenvierer mit festen Sitzen) benutzen durfte.

Auf dieser Basis konnte der Wunsch Wirklichkeit werden: Am 1. Mai 1919 wurde im Physiksaal der Schule der „Ruderverein der KOR“ gegründet. Protektor wurde Dr. Bauch, Vorsitzender (Schüler) Gerhard Gassner. Mit 18 Mitgliedern, die vom Rudern wenig Ahnung hatten, ging es los.

Die erste Wanderfahrt in zwei Vierern, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Marinekuttern hatten und allen Schülerruderern in Wannseewohl bekannt waren, ging nach Lehnin, dauerte vier Tage und verlief zur Zufriedenheit der Beteiligten. Im ersten Ruderjahr kamen so 520 Boots-km zusammen.

Der Wunsch nach eigenen, möglichst auch leichteren, Booten machte sich breit und so beschlossen die Schüler im Winter zwei Feste zu veranstalten, um zu Geld zu kommen. Der Reinerlös gestattete schon im November 1919 die Bestellung eines Vierers, später „Odin“ getauft, für 2.800,-Mark. Der Preis für das zweite Boot „Freya“, bestellt im Februar 1920 für 4.200,- Mark, deutet schon auf die beginnende Inflation hin.

Das ausgeprägt merkantile Verhalten unserer Altvorderen kann man heute nur als „cool“ bezeichnen. Es wird noch deutlicher bei weiteren Bootsanschaffungen im Jahre 1921. Die Angebote Berliner Bootsbauer lagen im Spätsommer zwischen 13.000,- und 17.000,- Mark je Boot. Bestellt wurden in Brandenburg zwei Boote, für die zusammen 18.500,- Mark gezahlt wurden, die infolge der fortgeschrittenen Inflation mit Leichtigkeit aufgebracht werden konnten.

Die Distanz zu dieser Zeit wird andererseits deutlich, wenn man aus dem Jahresbericht 1920/21 entnimmt: „… nach dem der Verein sich auf feste Füße gestellt hatte, in erster Linie die Schaffung einer Ruderehre und eines scharfen Vereinsehrgeizes zu erstreben sei.“

Als der erste rudernde Klassenjahrgang das Abitur machte, kam unter den Ruderern die Frage auf: Was nun? Anhängsel des Schülerrudervereins, ein Wechsel zu anderen nicht schulgebundenen Vereinen oder welcher Weg sollte eingeschlagen werden? Bei der Zusammenfassung der geäußerten Gedanken ergaben sich Gesichtspunkte, die sich bald als Anliegen herausstellten: Man wollte mit dem Schülerruderverein (SRV), den man selbst mitgegründet hatte, auch in weiterer Verbindung bleiben. Der SRV sollte sportlich und finanziell unterstützt werden. „Der ewige Wechsel der Mitglieder eines Schülervereins ist zur Deckung seiner Kosten auf die Unterstützung der immer neu hinzukommenden Ehemaligen angewiesen“, durch die eine „Verstetigung“ erreicht wird. Nur so könne „eine gute Rudertradition“ geschaffen werden.

Am 23. Februar 1921 wurde schließlich der„Alt-Herren-Verein der Ruderriege der Kirschner Oberrealschule (AHV der KOR)“ mit 16 Mitgliedern gegründet. Im April 1922 waren es schon 50!

Nicht zu übersehen ist in Wortwahl und Gedankenführung der Hintergrund studentischer Verbindungen und ein ausgeprägt nationales Bewusstsein. Die sportlichen Aktivitäten lagen wie bei den Schülern im Wanderrudern und brachten 1922 für jedes aktive Mitglied eine durchschnittliche Ruderleistung von 25 km je Fahrt.

Die schwieriger werdenden äußeren Bedingungen – Inflation, Arbeitslosigkeit, politische Einflüsse durch das Erstarken der Nationalsozialisten – gingen nicht spurlos am AHV vorüber, konnten ihn jedoch nicht fundamental erschüttern. Der Zusammenhalt mit dem Schülerruderverein blieb bestehen und wurde durch die gemeinsame Nutzung von Booten und der Unterkunft beim Schülerruderverband Wannsee (SRVW) gestützt. Rauschende Feste brachten ansehnliche Überschüsse, die zur Anschaffung weiterer Boote verwendet wurden. Der Mitgliederstand pendelte sich bei ca. 50 Mitgliedern ein. Der sportliche Höhepunkt des Ruderjahres war die Austragung des vom AHV gestifteten Dr. Karl Bauch-Wanderpreises bei einem Rennen zwischen AHV und SRV. Wanderfahrten auf den Gewässern der Mark Brandenburg, insbesondere nach Paretz und Leest, gehörten zum Wochenende, Urlaubsfahrten erreichten via Oder die Ostsee.

Um die beim SRVW üblichen Regeln zu umgehen, wurden insbesondere für Urlauber, die ihren Militärdienst leisteten, einige Boote bei der „PIWA“ in Spandau untergebracht, die den Krieg nicht überlebten.

Die in Wannsee lagernden Boote kamen unbeschädigt über die Kriegszeit, wurden aber wenige Tage vor Kriegsende von deutschen „Verteidigern“ durch gezielte Plankenbrüche unbrauchbar gemacht. Alle Räume des Bootshauses in der Bismarckstraße boten Flüchtlingen und wohnungslosen Berlinern eine Notunterkunft. Die Boote waren von der Militärregierung beschlagnahmt, der AHV, wie alle anderen Vereine, aufgelöst.

Als sich die ehemalige Reichshauptstadt von einem großen Trümmerhaufen zu einer aufgeräumten Trümmerlandschaft wandelte, zeigten sich erste, vorsichtige Zeichen der Normalisierung. Im Dezember 1946 fanden sich acht „Ehemalige“, „ruder-, trink- und sangesfreudige“ Kirschnerschüler in Friedenau zusammen, um den mit dem Deutschen Reich untergegangenen „AHV der Ruderriege der Kirschner Oberrealschule“ zu reanimieren. Als Hilfsmittel konnten eine Flasche Schnaps für 250,- Reichsmark und eine Lage Chesterfield (8,- RM/Stck) beschafft werden.

Harry Beck, gelernter Speditionskaufmann und fremdsprachlich versiert, war inzwischen Dolmetscher bei einer amerikanischen Dienststelle und ergriff die Initiative, die konfiszierten Boote frei zu bekommen und nach der Instandsetzung wieder zu nutzen. Da der Große Wannsee (Amerikanischer Sektor) als Sperrgebiet galt und am Griebnitzsee die Sowjetische Zone begann, entstand die Idee, die Boote nach Freigabe durch die US-Militärregierung in Spandau (Britischer Sektor) zu stationieren und so ein größeres Nutzungsgebiet von Pichelsdorf bis Kladow befahren zu können. Unter großen Mühen gelang es, im Sommer 1947 einige freigegebene Boote mit einer Sondergenehmigung auf einem Ponton zur Scharfen Lanke zu transportieren und dort zunächst bei der Reineke Werft einzulagern. Bald darauf wurden geeignete Räume und Bootsstände beim Spandauer Ruderclub gemietet. Die restlichen, vorher nicht auffindbaren Boote konnten inzwischen in Wannsee aufgespürt und im Schlepp der inzwischen reparierten Ruderboote von Wannsee nach Spandau überführt werden.

Am 27. Oktober 1948 erreichten die mühevollen Aktivitäten der Nachkriegszeit ihren Höhepunkt: Der AHV erhielt von der Militärregierung die Lizenz als „nichtpolitische Organisation“ und war nach dem Berliner Ruderclub der zweite lizenzierte Ruderverein in Berlin (West).

Schüler der oberen Klassen hatten damit die Möglichkeit, bis zur Neugründung des SRVW im Jahre 1950 beim AHV als Jugendriege zu rudern. Ab dem Abitur 1948, exakt am Tage der vieles verändernden Währungsreform, gab es – wenn auch spärlich – wieder Nachwuchs für den Alt-Herren-Verein.

Die beginnende Berliner Blockade war kein schwieriges Hindernis für die Wiederaufnahme von Wanderfahrten über die Stadtgrenzen hinaus. Das schon aus den Zwanzigerjahren beliebte Wirtshaus in Leest/Wublitz wurde erneut unser Stammquartier. Besonderen Reiz boten die Obstplantagen der Umgebung. Volkspolizei-Kontrollen auf dem Wasser machten den Transport frischen Obstes jedoch manchmal schwierig. Unter Ausnutzung des Freiraumes unter den Bodenbrettern konnten Probleme vermieden werden, den Kirschen bekam der gekühlte Transport gut.

Der Wandel politischer und gesellschaftlicher Auffassungen führte den Verein in den Folgejahren zu einer angespannten Situation, die zum Beschluss der Einrichtung einer Damenriege am 6.Januar 1950 führte. Für den um die Wiedergründungverdienten Vorsitzenden und Vollblutruderer Harry Beck war diese Entscheidung der Anlass zum Austritt aus dem Verein.

Die Kirschnerschule war durch die Neugliederung der Berliner Schule bis 1951 auf ca. 100 Schüler geschrumpft und das Ende des Zugangs neuer Mitglieder aus deren Reihen stand fest. Die Konsequenz war die Entscheidung, auch schulfremde Mitglieder aufzunehmen.

Mit der skizzierten Entwicklung stellte sich automatisch die Frage nach einem neuen Namen. Im Januar 1953 entstand so der „Ruder Club Kirschner e.V.“ (RCK). Bei ca. 50 Mitgliedern kamen im Jahr weniger als 4000 km Ruderstrecke zusammen,der Schrumpfungsverlauf war nicht zu übersehen. Eine wesentliche Ursache war das seit dem 1. Juni 1953 bestehende Verbot, das Gebiet der DDR mit Sportbooten aus Berlin (West) zu befahren.

Die gesellschaftlichen Kontakte liefen im gegebenen Rahmen recht rege und zur Zufriedenheit der Beteiligten. Die politische Großwetterlage wird deutlich an einem Vorgang, der den RCK ganz unmittelbar berührte: Hanno Evenius, bis zu seinem Tode Ehrenvorsitzender des MR, war in Bautzen aus politischen Gründen inhaftiert. Er wurde im Dezember 1953 Ehrenmitglied und kam wenige Wochen später überraschend frei. Für viele Jahre übernahm er den Vorsitz des Vereins und knüpfte, inspiriert durch die enge Verbindung seines Vaters als Studienrat an der Kirschner Schule, viele Kontakte zu ehemaligen Kirschnerschülern wieder an und gewann damit fördernde Mitglieder.

Nach fast zehnjähriger Unterkunft beim Spandauer Ruder Club benötigte dieser den Platz selbst und der RCK fand im April 1957 im Bootshaus Nixe in Wannsee für einige Jahre ein neues Quartier. Laufende Mietsteigerungen führten nach fünf Jahren zum nächsten Umzug. „PIWA“ in Pichelsdorf war das neue Bootshaus.

Wirtschaftlich gesund und durch die über den Landesruderverband Berlin (LRV) gewonnenen Kontakte zur Berliner Wanderruderei, auch kameradschaftlich und sportlich, verliefen die Jahre bis 1973 zeitgemäß positiv. Die ökonomischen Interessen des Vermieters führten neuerlich zu Reibungen. So reifte im Vorstand des RCK der zunächst ablehnend aufgenommene Gedanke, mit einem geeigneten anderen Ruderverein zusammen zu arbeiten. Allen Beteiligten war zu dieser Zeit nicht bekannt, dass der „Märkische Adler Wassersportverein e.V.“ 20 Jahre zuvor nach einer Anregung durch den LRV versucht hatte, Kontakt aufzunehmen.

Es begannen zunächst sehr vorsichtige Sondierungen, die in Bruno Schönwetter, dem damaligen Vorsitzenden des MR, einen offenen und nach vorn gerichteten Gesprächspartner fanden. Im Dezember 1973 konnten diese durch einen Vertrag mit dem Märkischen Ruderverein, der als Verlobung interpretiert werden kann, abgeschlossen werden. Als nach drei Jahren auch die Skeptiker überzeugt waren, war die Zeit für eine Fusion gekommen. Nach der einstimmigen Annahme des Fusionsvertrages durch die Hauptversammlungen beider Vereine wurde die neue Satzung des Märkischen Rudervereins ab 1. März 1977 gültig.

Ruderlied des SRV der KOR und seines AHV

Hipp, Hipp, Hurra mit Jubelklang der edlen Ruderei

  1. Als Gott der Herr die Welt gemacht
    In aller ihrer Pracht,
    Hat an die braven Rudersleut´
    Besonders er gedacht.
    Den Fluß, den Strom und all die Seen
    Schuf er zu ihrer Freud,
    Dazu noch Wiesen, Wald und Feld
    In grüner Herrlichkeit.                                                  Pflanzt in des echten Rudrers Brust
    Auch Wanderfreude ein.
    O welche Wonne, welche Lust,
    Ein Rudersmann zu sein.
  2. Wenn hell die Sonn´ am Himmel lacht
    Und mild die Lüfte wehn,
    Dann frisch die Boote klargemacht,
    Wer kann da widersteh´n?
    Tönt das Kommando: Fertig – los!
    Wie dehnt die Brust sich weit.
    Kein Weg zu lang, kein Ziel zu groß,
    Es schlägt das Herz vor Freud.                              Kraftvoll die Riemen angepackt,
    Pfeilschnell das Boot dahin.
    Fröhlich im gleichen Rudertakt,
    Ziehen wir hinaus ins Grün.
  3. Hipp, hipp, hurra mit Jubelklang
    Der edlen Ruderei!
    Sie stählt den Körper, hebt den Mut
    Und macht uns frisch und frei.
    Sie schafft viel Freude, schlingt um uns
    Der Freundschaft starkes Band
    Und lehrt uns lieben die Natur,
    Das deutsche Vaterland.                                               Laßt uns in Treu und Einigkeit
    Ihr dienen fort und fort
    Fröhlichen Mutes allezeit.
    Es leb´ der Rudersport!

Melodie: Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot

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